Sie befinden sich hier: Die geförderten Projekte > Die geförderten Projekte 2014 > HelpingHand Welcome Bag

HelpingHand Welcome Bag

Projektleiterin: Dr. Dr. med. Siri Göpel

HIV-Center der Uniklinik Frankfurt am Main

Eine zunehmende Zahl von HIV-positiven Migranten aus außereuropäischen Ländern bestimmt die Patientenstruktur der HIV-Behandlungszentren in den letzten Jahren. Mittlerweile sind mindestens 25% der behandelten Patienten Migranten aus außereuropäischen Ländern. Abweichend zu den deutschen Patienten, bei denen es sich zum größten Prozentsatz um MSM oder Drogengebraucher handelt, handelt es sich bei den Migranten zu einem größeren Prozentsatz um Frauen mit Kindern, die zudem kulturell bedingt ein anderes Rollenverständnis mitbringen als europäische Frauen.

HIV ist und bleibt ein stigmatisierendes Tabuthema, in der deutschen Gesellschaft, aber z.T. stärker noch in den jeweiligen Communitys der Migranten. So bestehen schon große Hemmschwellen, Informationsveranstaltungen zu besuchen oder zum HIV-Behandler zu gehen, weil dadurch die Krankheit offensichtlich werden könnte.

Überdurchschnittlich häufig kommen die Patienten aus Entwicklungsländern in sehr späten Stadien zur Behandlung, bzw. entwickeln aufgrund mangelnder Compliance Komplikationen und AIDS-definierende Erkrankungen. Dies liegt nicht zuletzt an mangelnder Information und Aufklärung, die den ausländischen Patienten in Deutschland teilweise noch schlechter zur Verfügung steht als in ihren Heimatländern. Das Verständnis für das Wesen der Erkrankung als chronische Erkrankung, die auch ohne Beschwerdesymptomatik einer Behandlung bedarf und die Notwendigkeit der stringenten Tabletteneinnahme sind zum einen schon aufgrund sprachlicher Probleme im Behandlungsalltag häufig schwer zu vermitteln. Nicht zuletzt spielt auch eine hohe kulturelle Barriere bei Patienten mit niedrigerem Bildungsstand, die aus ihrem Heimatland z.B. noch den traditionellen „Heiler“ kennen, eine Rolle. Die Komplexität des deutschen Gesundheits- und Sozialsystems wirkt zudem für viele Patienten einschüchternd, zumal es sich häufig um sozial sehr schlecht gestellte Menschen handelt. Ein Teufelskreis entwickelt sich aus Ausgrenzung und eigener sozialer Isolation bei Patienten, die unzureichend über Ansteckungsmechanismen und ihre Rechte mit HIV informiert sind. Häufig wagen sich die Patienten nur bedingt ins Berufsleben oder können keine enge körperliche Nähe mit ihren Kindern aufbauen.

Die klassischen Anlaufstellen wie z.B. Aids-Hilfen sind für die Migranten oft nur bedingt geeignet, viele wagen sich nicht in homosexuell geprägte Institutionen oder in Einrichtungen, die von Drogengebrauchern frequentiert werden. Sprachliche Barrieren erschweren die Informationsvermittlung zudem.

Vor diesem Hintergrund werden am HIV-Center Frankfurt seit einigen Jahren Patienten in speziell auf Migranten zugeschnittenen Schulungen ausgebildet, die dann als medizinisch und sozialrechtlich geschulte Mittler zwischen den Kulturen fungieren sollen. Das „HelpingHand“-Team hilft direkt mit Dolmetschertätigkeit während der Ambulanztermine. Zum anderen wird durch die Patienentenexperten das Projekt fortlaufend weiterentwickelt, um vor dem eigenen kulturellen Hintergrund möglichst viele Landsleute mit geeignetem Informationsmaterial und –Veranstaltungen zu erreichen.

Erhofft wird eine Verbesserung der Information von insbesondere neu im HIV-Center aufgenommenen Patienten mit Migrationshintergrund unter Bereitsstellung von Informationsmaterial in der Muttersprache. Von Anfang an soll eine Wissensbasis geschaffen werden, was aufgrund der Sprachbarriere beim ersten Kontakt mit dem Arzt häufig nicht gelingt, um die weitere Behandlung, aber auch den Umgang mit der Erkrankung besser zu gestalten.

Fachlich unterstützt und begleitet wird das Team der Patientenexperten (mittlerweile über 30 Patienten des HIV-Centers und der umliegender Frankfurter Schwerpunktpraxen) durch das ärztliche und pflegerische Team des HIV-Centers sowie den psychosozialen Dienst. Von ärztlicher Seite ist Frau Dr. Siri Göpel (Fachärztin für Innere Medizin und seit 01/2012 im HIV-Center tätig) Ansprechpartnerin für medizinische Belange, Frau Kathleen Mantzsch (Studienassistentin und Krankenpflegerin) als Präventionsbeauftragte für HIV/AIDS für die Themen Aufklärung und Prävention zuständig und Herr Horst Herkommer (Dipl. Sozialarbeiter und Psychotherapeut, psychosozialer Dienst) für die Themen Sozialrecht sowie die Internetpräsentation. Prof. Dr. Brodt (Leitung der Infektiologie) begleitet das Projekt seit den Anfängen als Modellprojekt im Jahr 2009.

© 2019 Gilead

Privacy Settings