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„Die vergessene Seuche: Management und Logistik der Hepatitis-B-Virus-Untersuchung bei Schwangeren in Südafrika“

Projektleiter: PD Dr. Dieter Glebe

Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Medizinische Virologie
in Kooperation mit der Medizinischen Virologie der Universität Stellenbosch / Tygerberg, Südafrika

Infektionen mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) und dem Hepatitis-B-Virus (HBV) gehören mit zu den größten gesundheitspolitischen Problemen der Infektiologie. Global sind ca. 33 Mio. Menschen chronisch mit HIV infiziert, bei HBV sind es über 370 Mio. Über 90% der HIV- und HBV-infizierten Personen leben in Entwicklungsländern, insbesondere in Afrika südlich der Sahara.
In Südafrika sind regional bis zu 15% aller HIV-Infizierten mit HBV koinfiziert. HBV-infizierte Mütter können das Virus während der Geburt (perinatal) auf ihr Neugeborenes übertragen, das dann fast immer eine chronische Infektion entwickelt. Es kommt hinzu, dass eine Schwangerschaftsvorsorge auf Hepatitis B in Südafrika überhaupt nicht vorhanden ist.  Durch Implementierung eines hochwertigen HBsAg-Schnelltests, zusätzlich zu den Routine-Schnelltests auf HIV und Syphilis, kann eine bestehende Hepatitis-B der Schwangeren ohne großen logistischen Aufwand diagnostiziert werden, auch in ländlichen Gebieten, wo eine Labordiagnostik nicht praktikabel wäre. Was Impfungen angeht, sollten Neugeborene HBsAg-positiver Mütter eine aktive Impfung gegen HBV direkt nach der Geburt erhalten, nicht erst, wie in Südafrika Standard, erst ab der 6. Woche nach der Geburt. Durch ein einfaches Vorziehen des Impfschemas könnten Neugeborene HBsAg-positiver Mütter kostenneutral und wirksam gegen HBV geschützt werden.

Das Projekt verfolgt folgende Ziele: 1. Einführung eines Schwangerschafts-Screenings auf HBV.  Mindestens 2.000 Schwangere in ausgewählten Kliniken/Geburtszentren in der Provinz Westkap, Südafrika werden auf HBsAg mittels eines HBsAg-Schnelltests untersucht. Da ein Großteil der Schnelltests vor Ort ausschließlich durch Schwestern durchgeführt wird, kann durch geplante Schulungen in den beteiligten Häusern (Kliniken) eine Verbesserung der Patiententestungen erreicht werden. Eine Validierung der Schnelltestergebnisse ist ebenfalls vorgesehen; 2. optimiertes Management HBV-positiver Schwangerer, inklusive klinischer Evaluierung, Labortests und Überweisung; 3. optimiertes Management exponierter Neugeborener mit zusätzlicher HBV-Impfung (aktiv) der Neugeborenen direkt nach der Geburt; 4. Abschätzung der Häufigkeit bislang unerkannter HBV-Infektionen Schwangerer und ihre Charakterisierung.

Die HBV-Infektion von  HIV-infizierten Schwangeren ist ein bislang gänzlich unbeachtetes Gesundheitsproblem von möglicherweise erheblicher mittel- und langfristiger Auswirkung.  Die Einführung der HBV-Testung von Schwangeren zum Schutz der Neugeborenen und adäquater Therapie für koinfizierte Mütter  könnte Vorbildcharakter für die Vermeidung perinataler HBV-Infektionen und ihrer erheblichen Langzeitfolgen in ganz Afrika haben.

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